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Sprache lebt!
Sprache ist Ausdruck von Lebensart und Kultur, für den Einzelnen
sogar Ausdruck der Persönlichkeit. Weil sich alles Lebende
weiterentwickelt, ist auch Sprache Änderungen unterworfen. Das
betrifft auch die Rechtschreibung.
Die Anfänge der deutschen Rechtschreibung
Konrad Duden, der Gründer des Duden Verlags, erkannte dies schon
früh und machte sich als Erster daran, die Grundlagen der deutschen
Sprache systematisch zu erfassen. "1872 veröffentlichte er den Band
mit dem Titel Die deutsche Rechtschreibung. Abhandlungen, Regeln und
Wörterverzeichnis mit etymologischen Angaben, aus dem dann im Jahr
1880 das Vollständige orthographische Wörterbuch der deutschen
Sprache hervorging. Mit diesem Werk legte Duden die Grundlage für
eine einheitliche deutsche Rechtschreibung." (Quelle: Microsoft
Encarta)
Konrad Duden hielt sich dabei, genau wie seine Nachfolger bis Mitte
der 90er Jahre, an einen Grundsatz, den Robert Kleinschroth in
seinem Buch "Sprachen lernen" so definiert: "Grammatik liefert keine
Gründe, sie beschreibt einen Zustand." Der Duden wurde zum Spiegel
der deutschen Sprache und erlangte, obwohl von einem privaten Verlag
herausgegeben, quasi offiziellen Status.
Die Rechtschreibreform
Die Rechtschreibreform, für die der Rat für deutsche Rechtschreibung
verantwortlich ist, ersetzte die Beobachtung der Sprachentwicklung
durch aktive Gestaltung. Ziel dabei war es vor allem, das Erlernen
der Rechtschreibung in der Schule zu erleichtern. Ein hehres Ziel,
bei dem jedoch zwei gravierende Fehler gemacht wurden: Grammatik
wurde überbetont und all die Menschen, die bereits deutsch schreiben
können, wurden schlicht "vergessen".
Zur Bedeutung der Grammatik schreibt Robert Kleinschroth: "Das
Beherrschen von Grammatikregeln bewirkt nur ein Können auf unterem
Niveau und kann Fehler beim Schreiben und Sprechen nicht
verhindern." So wichtig Grammatik auch erscheinen mag: In erster
Linie ist sie ein Hilfsmittel zum Erlernen von Fremdsprachen und zum
besseren Verständnis der eigenen Sprache während der Schulzeit.
Jeder Mensch lernt seine Muttersprache intuitiv und kann sprechen,
bevor in der Schule der erste echte Kontakt zur Grammatik erfolgt.
Und jede neue Sprache entwickelt – ausgehend von einem dem Menschen
innewohnenden Gefühl für Sprache – von selbst Regeln. Selbst
Gebärdensprachen, die ohne Worte auskommen, verfügen über klare
grammatische Regeln, die aber nicht von Experten erdacht, sondern
von den Anwendern in der Praxis entwickelt werden: Experten werden
erst benötigt, wenn es gilt, diese auf natürliche Art entstandenen
Regeln festzuhalten.
In der Rechtschreibreform wurde dieser Prozess umgekehrt. Der Rat
für deutsche Rechtschreibung hat die bestehenden, natürlich
gewachsenen Regeln der deutschen Sprache ignoriert und durch eigene,
oft schwer nachvollziehbare Regeln ersetzt. Die deutsche Sprache als
Kulturgut hat daraufhin das gemacht, was sie und alle anderen
lebenden Sprachen seit vielen Jahrhunderten mit Reformen machen: Sie
hat einiges übernommen, das meiste verworfen, und sich insgesamt
wieder ein Stück weiterentwickelt.
Bis Februar 2006 hat der Rat für deutsche Rechtschreibung durch
regelmäßige Reformen der reformierten Reform versucht, "seine"
Ansätze durchzusetzen. Mit der Folge, dass heute sehr viele
unterschiedliche Schreibweisen nebeneinander existieren, Schüler
extreme Schwierigkeiten haben, ein Sprachgefühl zu entwickeln, und
die meisten Menschen, die deutsch schreiben, verunsichert sind, was
denn nun "richtig" ist.
Nun wurde endlich eingelenkt. Die jüngste Reform macht die meisten
Änderungen wieder rückgängig und ersetzt viele Muss-Regeln durch
Kann-Vorschläge: Das natürliche Sprachgefühl hat sich durchgesetzt.
Ob es wirklich Einsicht war, die den Rat zu diesem Schritt
veranlasst hat? Das Hamburger Abendblatt meint in einem Artikel: "Es
habe die Gefahr bestanden, dass in der Schule anders geschrieben
werde als im übrigen Leben."
Rechtschreibung in Wort-Schatz
Wort-Schatz basiert nicht auf dem saisonal aktualisierten
künstlichen Regelwerk der Reform, das, kaum veröffentlicht, schon
wieder veraltet war, sondern auf dem natürlichen Sprachgefühl, das
auch Grundlage für Konrad Duden war. Wie in der im Februar 2006
verkündeten, aktuellsten und, da diesmal endlich das natürliche
Sprachempfinden berücksichtigt wurde, wohl auch endgültigen Reform
festgelegt – von nun an wird fast alles wieder so geschrieben, wie
es auch vor der Reform geschrieben wurde: "Kennenlernen, sogenannt,
zufriedenstellen". Weil diese Schreibweisen für den Leser den Sinn
dahinter am Besten wiedergeben.
Reformen einzelner Worte sind in Wort-Schatz als Alternativen
aufgenommen, so wie dies bei unterschiedlichen Schreibweisen schon
lange in der deutschen Sprache üblich ist: Der Panter und der
Panther existieren ebenso wie der Elefant und der Elephant schon
lange friedlich nebeneinander, ihnen haben sich nun der Delfin und
der Delphin zugesellt. Das gleiche gilt für Alchimist und Alchemist,
für Alptraum und Albtraum – jeder kann, darf und soll nun sogar "mit
amtlichem Segen" selbst entscheiden, welche Schreibweise persönlich
am meisten zusagt.
Viele Schreibweisen, die die Reformer festlegen wollten, haben
nichts mit der "richtigen" Schreibweise zu tun, sondern sind eine
Frage des Stils und der Betonung und unterliegen schon lange der
Entscheidung des Schreibers: Der "vielversprechende" oder der "viel
versprechende Politiker" – ersteres beschreibt ein Ideal, zweiteres
eher die Realität. "Auto fahren" ruft beim Leser das Bild eines
Fahrzeugs hervor, die Schreibweise legt die Betonung auf das Auto, "autofahren"
als Verb dagegen drückt die Bewegung aus. Wort-Schatz enthält in
diesen Fällen beide Schreibweisen.
Im Word-Add-In befindet sich außerdem ein Dokument, das erläutert,
wie man die unterschiedlichen Schreibweisen nutzt, um beim Leser das
gewünschte Bild präziser zu beschreiben. Alles konform zu der
natürlichen Grammatik der deutschen Sprache, die sehr viel flexibler
ist als die Schulgrammatik mit ihren vereinfachten Regeln.
Was sich durch die Reform vermutlich dauerhaft geändert hat, ist die
Schreibweise von "ß" und "ss": Hier sind die neuen Regeln in der Tat
einfacher als bisher und vor allem nachvollziehbar. In der Schweiz
wurde das "ß" jedoch komplett durch "ss" ersetzt.
Wort-Schatz trägt dem doppelt Rechnung: Der Datenbestand liegt
sowohl in der aktuellsten deutschen als auch in schweizer
Rechtschreibung vor, und das Word-Add-In wandelt per Makro die
Schreibweisen von "ß" und "ss" auf die neuen Regeln um. Sie können
Ihre Texte also weiterhin wie gewohnt schreiben, Wort-Schatz die
Umwandlung überlassen und anschließend einen "korrekten" Text
abgeben.
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Letzte Aktualisierung: Donnerstag, 13. Juli 2006
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